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  • Julian

Platten des Jahres 2023: HipHop & Beats

Aktualisiert: 3. Jan.

Auch was Beats und Rap angeht war 2023 ein ziemlich prall gefülltes Jahr mit tollen Singles und Features, vieles davon ist in meiner Playlist zu finden. Auf Albumlänge beeindruckten mich allerdings nicht ganz so viele Platten und wenn dann eher Lo Fi orientierte Produktionen. Aber immerhin noch genug um einen eigenen Beitrag dafür zu schreiben.


Suff Daddy - Hair of the Dog


Good Ol` Suff Daddy macht einfach da weiter, wo er noch nie aufgehört hat. Extremste geschmeidige und schöne Platten zu basteln, die zwar immer wieder Erkennungswert haben, aber sich auch so schön unterscheiden, dass man eine Weiterentwicklung beobachten kann. "Hair of the Dog" zum Beispiel ist von der Grundstimmung noch wohlig-melancholischer geworden als andere Platten. Das klingt alles eher nach Wohnzimmer-Beats als nach Club, aber genau hier drin liegt auch die sich immer weiter verfeinernde Grundkompetenz des Berliners. Es ist einfach eine wunderschön ausstaffierte, warme Beatdecke, die sich über alles legt und Amit den Vibe auf gemütlich setzt. Hin und wieder läuft man dann aber doch beschwingt zur Stereoanlage und dreht ein bisschen mehr auf und schwooft ein bisschen zu Tracks wie Psycho Mantis oder Actually Definitely Yeah. Bissl spinnert sind die Grooves eben doch. Schöne Platte.



HTN - Benihana


Mehr Collagen als Beats mit sehr smoothen Samples aus Jazz, Blues und spoken word. Erinnert mit dem Lo Fi Ansatz an frühe Dexter Produktionen. Sehr entspannt und gut zum nebenbei hören aber auch zum  zuhören. Dieses Jahr ist nicht nur sein Solo „Benihana“ erschienen, sondern auch die LP „Dead Man“ mit Elo f.k.a. Eloquent, also einem der spannendsten und produktivsten Undergroundrapper des Landes.



elo & HTN - Dead Man


Überhaupt HTN: Für mich hat der Beatmaker dieses Jahr richtig abgerissen. Er war für die Beats auf Elo´s "Dead Man" zuständig. Und die Platte ist eben nicht nur wegen des furiosen "Loser-Raps mit Mittelfinger" sondern auch wegen der Beats mehr als hörenswert. Meist unter zwei Minuten zeigt sich ein hervorragendes Händchen für Samples und dezent eingesetzte Beatkorsetts, die nicht einmal zwingend Drums brauchen, um Wirkung zu entfalten. Elo(fka Eloquent) hat einen erstaunlichen Werdegang hinter sich. Einer der prägnantesten Rapper des Landes, der in seinen Texten eigentlich von Anfang an in Rückzugsgefechten brilliert.Das ist zwar textlich deprimierend, aber eben auch heilsam, weil es das Verneinen von Parametern wie Erfolg, Anschlussfähigkeit oder Warenförmigkeit kultiviert. Stattdessen bietet Elo eine Identifikationsfläche für Leute, die enttäuscht, traurig, aber trotzdem auch wütend sind. Und diese Wut ist bekanntlich oft auch der Antrieb aus einer deprimierenden Realität herauszukommen.


Nepumuk - Wir haben keinen Plan B, aber ein Trauma


Ich war im Jahresrückblick und im Blick auf die Zahlen dann doch einigermaßen überrascht, dass "Wir haben keinen Plan B, aber ein Trauma" von mir heavy gestreamt wurde. Nicht weil es nicht ein tolles Album ist, sondern weil es mich dann doch sehr lange begleitet hat. Nepumuk, der mit den drei Platten dieses Jahr einen wahnsinnigen Output hat, findet immer wieder tolle Sprachbilder für den Status Quo in Gesellschaft, Politik und Beziehungen.


grim104 - Ende der Nacht


Es ist noch gar nicht so lange her(2022), da hat grim104 mit "Imperium" ein fantastisches Album veröffentlicht und auch 2023 sorgt er wieder für ein echtes Highlight. "Ende der Nacht" ist fast schon ein Konzeptalbum, eine Hommage an dunkle Nächte und blaue Stunden. grim104, der mit seinen Soloplatten ganz anders unterwegs ist als mit Zugezogen Maskulin. Einfach deswegen weil grim104 seine Grundthemen noch klarer durchzieht und trotzdem stark auf die Nostalgie-Tube drückt. "Deutschraps Bela Lugosi" hat schon immer in Abgründe geblickt und aus dunklen Schattierungen des Lebens, sei es Vergangenheit oder Gegenwart Kraft zieht. Ich muss zugeben, dass ich lange überlegte, ob ich "Ende der Nacht" hier highlighten will, einfach weil die zwar gut gemachten, aber nicht ganz meinen Rap-Geschmack treffenden UK Garage, Pop und Houseanleihen eine große Rolle spielen. Ist trotzdem ein tolles Album geworden, weil grim104 wieder zielsicher und in ganz eigener Sprache Schellen verteilt wie in "Nepo Baby" und weil es eine logische Weiterentwicklung des grim-Imperiums ist.


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