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  • Julian

Platten des Jahres 2023: Psychedelia & Experimentelles

Was für ein Musikjahr liegt hinter uns. Neben zahllosen Songcrushes, gab es auch Platten die mich auf Langstrecke überzeugten. Platten, die ich nach etwas Anlauf nicht nur häufig ansteuerte, sondern auch welche, die mir sofort reingefahren sind. Hier also der erste Teil meiner liebsten und wichtigsten Platten des Jahres, grob eingeteilt als.....


Psychedelics & Experimentelles


VANISHING TWIN - AFTERNOON X


Es gab in diesem Jahr immer wieder Momente in denen ich dachte: Das ist jetzt aber die Platte des Jahres. Zuletzt bei einer Platte, die so sperrig und unzugänglich ist, dass sie nirgendwo so richtig eingeordnet werden kann. Also versuchen wir es mit atmosphärischen Einordnungen. Vanishing Twin erzeugen ätherische Sounds, voller seltsam mäanderndem melancholischen Wohlklang, der aber immerzu gebrochen wird. Noisige Experimente wehen durchs Bild, zusammengehalten von teils reduzierten, teils von Effekten getragenen Minimalkorsetts. Es sind surreale Soundlandschaften, die auf Afternoon X entstehen, wobei die Platte weit mehr als eine Ideencollage ist. Die Grundstimmung ist durchaus stringent und die Arrangements so ausgeklügelt, dass es ein Wunder ist, dass es nicht allzu anstrengend wird. Kurzum: Eine bewusstseinserweiternde, mythisch umwehte, mit vielem brechende Sprezzatura, die wie ein Rabbit Hole wirkt, in das man allzu gerne reinfällt. Zu meinen Lieblingssongs gehören Lazy Garden, The Down Below, Brain Weather, Afternoon X, wobei die ganze Platte arg toll ist!


HANIA RANI - GHOSTS


Ein ziemlich bekannter Musikjournalist erzählte mir neulich von einer Begegnung mit Hania Rani in ihrem Studio, bei der sie recht streng auf seine recht schluddrigen Fragen reagiert hätte. Ich liebe solche Geschichten, einfach weil ich dann besser einschätzen kann, wie die entsprechenden Künstler so ticken. Hania Rani, da waren wir uns beide einig, ist eine großartige Künstlerin, die irgendwie in die Schublade des Neoklassik geraten ist. Dabei macht sie auf Ghosts recht zugängliche, wohlklingende, wenn auch die üblichen Poparrangements verlassenden Ambient-Pop, mit dem sie bei entsprechender Neigung durchaus den ein oder anderen Hit hätte landen können. Überwiegend jedoch lauschen wir fantastisch komponierten, verhangenen Klanglandschaften der Polin mit der hochkarätigen klassischen Ausbildung. Schon Wahnsinn wie ausgecheckt, stilsicher und doch experimentell Hania Rani mit dieser Platte überzeugt. Hello, Oltre Terra und Whispering House mit Großmeister Olafur Arnalds überzeugen besonders! Schönes Teil!


LUCY KRUGER & THE LOST BOYS - HEAVING


Über ein Konzert von Lucy Kruger & The Lost Boys schrieb ich dieses Jahr für das Visions Musikmagazin:


"Das große Highlight musikalischer Art aber, liefern Lucy Kruger & The Lost Boys. Über wabernde Soundscapes und Ambients steigen Lucy Krugers vertrackte Art Pop-Songs im Gegenlicht der Scheinwerfer auf. Mal verschleppt die Band die Songs, nur um im nächsten Moment mit gezielt eingesetzter, noisiger Wucht zuzuschlagen. Wenn es frickelig wird, dann nicht um Können zu demonstrieren, sondern um den Songs die angemessene Komplexität zu verleihen. Auch hier gilt: Wer in den Kaninchenbau fallen will, muss genau zuhören."

Und auch auf Plattenlänge gilt das was auf der Bühne passiert. Nur, dass man die Details noch genauer hören kann. Das ist einfach sehr gut gedachter, toll umgesetzter Art Pop, der in der schrägen Seite des 90er Jahre Indie wurzelt und auch mit Lucy´s rätselhafter, sehr charakteristischer Stimme überzeugt. Besonders gut: Heaving, Burning Building, Tender


ZAHO DE SAGAZAN - LA SYMPHONIE DES ÉCLAIRS


Bei einem Konzert von Zaho de Sagazan dieses Jahr in Hamburg kam ich leider ziemlich zu spät und bekam nur noch den lauten, tanzbaren und expressiven Teil mit. Toll war es natürlich auch, aber auf Platte überzeugt Zaho de Sagazan eben auch in den ruhigeren Passagen. Da kommt ihr enigmatisches, wandelbares, aber auch unverwechselbares Timbre besonders gut raus. Die dunkle Atmosphäre und der epische Charakter der Arrangements rollt Zaho de Sagazans Synthie-basierte Electropop-Songs überzeugend aus. Symphonie des Éclairs ist so tanzbar, wie psychedelisch. Die Produktionen sind immer wieder von kosmischem Dark Disco inspiriert, der zwar unheimlich schiebt, aber immer Zahos tolle Stimme in den Mittelpunkt rückt. Fantastisches Album mit Aspiration, Suffisamment und Tristesse als Highlights!


MAYA ONGAKU - APPROACH TO ANIMA


maya ongaku´s Approach to Anima ist für mich eine der überraschendsten Lieblingsplatten des Jahres. Als Support von den ebenfalls fantastischen, mit verbundenen Augen spielenden Mong Tong aus Taiwan passten sie wie eine flauschige Decke zu einem Nachmittag im Halbdunkel des Spätherbsts. Wobei so richtig überraschend ist die hohe Qualität der Platte auch nicht, veröffentlichte maya ongaku ihren ätherischen Psychedelic Ambient Pop doch auf Guruguru Brain, jenem Label aus Rotterdam, das seit Jahren fantastische psychedelische Musik aus Fernost in die alte Welt importiert. Prominentestes Beispiel sind sicherlich die mittlerweile aufgelösten Kikagaku Moyo, die auf einer psychedelischen Wolke jahrelang mehrere Zentimeter über dem Boden schwebten und so viel Liebe erfuhren, das aus dieser Liebe eine kleine, aber feine Fancrowd genauestens vefolgt, was das entsprechende Label sonst so veröffentlicht. Eben tolle Musik, die so beruhigend wie Meditation wirkt und dabei so wohlklingend ist, das man sich in der flauschigen riesigen Klangdecke räkelt, die sie einem auch live vor die Füße legen. Überragendes Album!


WEITE - ASSEMBLAGE


Auf einen weiteren, bewusstseinserweiternden Trip schicken uns Weite mit ihrer Debüt LP Assemblage. Durchaus kompakt, aber deswegen nicht weniger trippy tragen lediglich vier Songs durch das fast 39-minütige Album. Klar, wer hier als Inspiration gilt: Good old Krautrock, allerhand Psychedelisches aber eben auch die softeren Teile der Stammband Elder. Also jene Prog ähm Psychedelic ähm Stoner Rock Band, die dafür bekannt ist ebenfalls epische, aber eben auch etwas härtere und dickere Bretter zu bohren. Auf Assemblage treten die Synthies etwas in den Vordergrund und das fährt einem (überwiegenden) Softie wie mir natürlich hervorragend rein. Auf Premium Gitarren samt Effekten, vertrackte Grooves und ordentlich Schmackes muss natürlich trotzdem niemand verzichten. Kann man sich locker und lässig 28 Mal geben!



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