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  • Julian

Stream this! Und morgen die ganze Welt

Mit 16 gab es für mich kaum Aufregenderes als Demos linker Antifa-Gruppen. Man muss dabei verstehen: ich bin in Bayern aufgewachsen. Dem Bundesland also, indem der Weg von leichter Faszination für politische Aktionen und Sympathie für linke Themen zu echter Empörung und Gegnerschaft zum Staat kürzer ist, als wo anders. Woran das liegt? Der bayerische Konservatismus und die massive Repression, die einem entgegenschlägt, so bald man als Jugendlicher ein paar Mal auf entsprechenden Demos unterwegs ist. Welchen Anteil also hat echtes Interesse an politischen Themen, welchen Anteil die Erfahrung der Repression in der Bewusstseinswerdung junger Aktivistinnen. Eine Frage, die so alt ist, wie progressives Engagement.


Legal, Illegal, Scheissegal?


Zugegeben: auch in vermeintlich liberaleren Bundesländern gibt es autonome Bewegungen. Es geht im Kern darum, sich Protestformen offen zu lassen und konsequent für eine gerechtere, offenere Gesellschaft zu kämpfen. Die Aktionsformen reichen von legalen Aktionen bis Militanz. Und das ist auch das Thema in "Und morgen die ganze Welt" von Julia von Heinz, die selbst eine entsprechende politische Sozialisation hat.


Menschgewordene Klischees


Die Protagonistinnen sind junge Menschen mit hohen Idealen und Leuten, die im Polizeideutsch "aktionsorientiert" genannt werden. Die sich also im Straßenkampf nicht nur legaler Mittel bedienen. Die entsprechenden Konflikte und Fallstricke seziert Julia von Heinz im Film dann schon recht präzise, auch wenn die Charaktere ein wenig holzschnittartig daherkommen. Das liegt allerdings auch an der Natur der Sache. Viel Platz für Zwischentöne gibt es im politischen Aktivismus nicht. Und es wäre auch weniger effektiv. So kann man sich als mittlerweile konsumorientierter Altlinker zurücklehnen und den "jungen Leuten" dabei zusehen, wie sie großen Fragen verhandeln und fühlt sich dabei nicht selten in die eigene frühe Jugend zurückversetzt.


In der arte-Mediathek noch bis 07.09.2022 abrufbar


Trailer:




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