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  • Julian

Buchclub: Rezension Fatma Aydemir - Dschinns

"Dschinns", Fatma Aydemir, 368 Seiten, Hanser Verlage, Februar 2022,


Das Buch, so viel darf man verraten, beginnt mit dem Tod der Familienoberhaupts Hüseyin, der auf eine Art und Weise beschrieben ist, der eine große Anziehungskraft ausübt. Selten hat mich ein Buch nach so wenigen Seiten so gefesselt wie „Dschinns“. Wo soll das alles hinführen, fragt man sich nach ein paar Seiten. Das Buch, das nacheinander die sechs Familienmitglieder porträtiert, die in unterschiedlichster Form mit dem Thema Post-Migration umgehen. Mit Fremdheit und Ankommen. Mit Assimilation und Bewahrung. Mit Offenheit und Geheimnis. Es geht um Ich-Werdung und Machtlosigkeit, um die manchmal unsichtbaren Korsette von Familien und diesbezüglichen Befreiungsversuche. In den Beschreibungen kristallisieren sich symbolisch typische Generationenkonflikte in Einwandererfamilien heraus ohne zu Klischees zu werden.


Poetische Sprache und Familienroman


Dschinns ist ein klassischer Familienroman und doch eine selten erzählte Geschichte aus der Biografie einer „Gastarbeiter“-Familie. Aydemir beschreibt die Beziehungen in diesem Buch mit einem unbestechlichen, sezierenden Blick. Mit Distanz und Nähe. Und vor allem mit einer Sprache, die in ihrer poetischen Wucht teils sprachlos macht. Wenn Aydemir ihre Protagonistinnen und Protagonisten direkt anspricht, wird es besonders berührend.


Und so reiht sich Aydemir mit ihrem zweiten Roman nach „Ellbogen“ bereits in die Riege der spannendsten Autorinnen des Landes ein.

Dringende Leseempfehlung!




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