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  • Julian

Platten, die die Welt bedeuten: Robocop Kraus - Smile

Robocop Kraus aus Nürnberg waren in den 00er Jahren so etwas wie der heißeste Indie-Geheimtipp mit Rough Trade-Deal, US-Tournee und Kennerfame. Dabei hatte der wavige Postpunk der Robocops mit der Indiewelle eher wenig zu tun. Jetzt sind sie wieder da und stellen einmal mehr ihre Zeitlosigkeit unter Beweis.


Nichts holt den älter werdenden Musikfreak mehr hinter dem Ofen hervor, wie die eigene Lieblingsband, die nach Ewigkeiten mal wieder eine Platte rausbringt. Und Robocop Kraus hatten ihre große Zeit zwischen Ende der 90er und den späten 10er Jahren. Die magischen 20 Jahre, die zwischen den frühen Meilensteinen der eigenen musikalischen Sozialisation und dem Comeback der alten Heroen liegen, sind also überschritten. Abgesehen von "Why Robocop Kraus Became the Love of My Life", die 2022 frühere EPS, Compilationsbeiträge und 7 Inches auf einer Platte zusammenfasste, sind fast 15 Jahre vergangen seit der letzten Veröffentlichung. Eine Ewigkeit, aber "Smile" lässt diese Distanz zusammen schmelzen.


Nahtlos und doch sich selbst weiterentwickelnd knüpfen die Robocops auf "Smile" an das eigene Werk an. Zuweilen geht es etwas grooviger und entspannter zu, wie auf dem tollen "Cannonball" oder "Boy´s no good". Die Kombination aus Synthies und Gitarren bekommt hierzulande auch 2023 kaum jemand so stilsicher und beglückend hin. Egal ob sanfte, träumerische Songs, oder nach vorne gehende Robocop-Discopunk-Hymnen, alles findet seinen Platz auf "Smile" "World/Inferno" huldigt dem befreundeten, im letzten Jahr verstorbenen Sänger von World Friendship Inferno Society Jack Terricloth. "On Repeat" hätte so auch auf "Blunders &Mistakes" gepasst, "What I wanted" zum Frühwerk, "Innocent fun" fast auf "Living with other people". Und so klingt "Smile" wie ein Best Of von nie veröffentlichten Tracks, die hier und da auch neue Wege weist wie "Cannonball", das fast folkig beginnt und in der Folge mit herrlich zurückgelehntem Orgelsound ganz neue Höhen erreicht. Herrlich! Oder "The Foul Stench of Our Time", dem unerwarteten Gruß aus der Robocop-Kombüse, dessen schrammeliger Punk nicht so recht zur Diskografie passen will, aber einen weiteren Farbtupfer beiträgt.


"Smile" ist auf allen Ebenen feierbar. Tommy Lang, der abgesehen vom Akzent, am britischsten klingende Songwriter im Land schreibt wieder wunderbare, rau verschnörkelte Gesangsmelodien und besondere Hooks mit den berühmten Lang´schen Ausbrüchen, die wunderbar nachgezeichnet von der Band werden- oder ist es andersrum? Die Singles zeigen mal wieder mit einer Hand Richtung Talking Heads, mit der anderen Richtung Post Hardcore und überhaupt ist dieser zeitliche Referenzrahmen nach wie vor der rote Faden einer Band, die einfach nicht altern will. Auf "Smile" ist einfach weder Spannungsabfall noch fehlende Übung zu attestieren. Die Robocops mussten anscheinend nur mal kurz geölt werden, nur um dann wieder wie geschmiert zu funktionieren. Und allein das ist schon spektakulär.


Den euphorisch beschriebenen ersten Konzerten im April zufolge schaffen es Robocop Kraus, wieder ihrem extravaganten Sound eine Herzenswärme und den Communitygedanken zu entlocken. So wie es schon immer war: Viele Jahre feierte Robocop Kraus die große Weihnachtsgala, rauschende Feste mit vielen Gästen und befreundeten Bands am 23.12. in Nürnberg, wohlwissend dass dann auch die Robocop Hörer, die mittlerweile woanders wohnten nach Nürnberg zurückkamen. Dieses Jahr gibt es wieder zwei spezielle Robocop-Konzerte in der Mutterstadt: Ein Geheim-Konzert Ende April und ein Auftritt beim Nürnberg Pop. Und so möchte man, auch eingedenk der Social Media Kampagne zum Album von einer nahezu perfekten, triumphalen Rückkehr zu sprechen. Wobei: Robocop Kraus war eigentlich nie weg, aber mit "Smile" rammt die Band einen fetten Meilenstein neben den eigenen Weg.


Robocop Kraus, "Smile", 13.April, Tapete Records


30.04. Regensburg / Kulturzentrum Alte Mälzerei

07.06. Stuttgart - Merlin Kulturzentrum 08.06. Karlsruhe - KOHI-Kulturraum 09.06. Essen - GREND 10.06. Köln - Gebäude 9 07.10. Nürnberg - Nürnberg Pop 03.11. München - Milla 04.11. Leipzig - Institut für Zukunft







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