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  • Julian

Platten, die die Welt bedeuten: Marie Antoinette - Das süße Nichtstun

Marie Antoinette, das ist moderner, feingliedriger, detailverliebter Soul, der sich aber auch in RnB, Rap und House aufgehoben fühlt. Maries Schaffen und Können überschreitet Genregrenzen und so schaffen ihre Einfälle und Skills überschäumende Popmusik.


Sechs Tracks umfasst die EP "Das süße Nichtstun" und jeder Track unterschiedet sich deutlich von den anderen und erinnert an Vorbilder von Lauryn Hill über Joy Denalane bis Sade und Erykah Badu.

Soul auf deutsch und aus Deutschland, das hat hierzulande seit jeher einen eher schwierigen Stand. Warum das so ist habe ich mal an anderer Stelle gemutmaßt, auch Marie Antoinette hat eigentlich eine viel größere Reichweite verdient. Die Texte von "Das süße Nichtstun" erscheinen auch innerhalb des Lyrikbandes PANTHER GRUEN. Er manifestiert das Ende einer Gedichtband-Trilogie mit der Kommunikationsdesignerin Thessy Koch. Die richtige Wucht entfalten die Texte in der Musik.


Track für Track


Die Hooks sind Claims und andersrum. „Bye Bye Schmerz“ in Borducan schleudert Traurigkeit und Verdruss die Katharsis einer durchtanzten Nacht entgegen. Ganz nach dem Motto: “Am Arsch, Welt, kannst du mich kaputtschlagen“. Das ist keine neue Idee, aber doch eine die man so noch nicht gehört hat, denn „Borducan“ greift das zeitgenössische Revival des Sprechgesangs in Big Room House auf. Überhaupt ist Marie Antoinettes Grundlage eine Attitude und Sprache, die auf große Vorbilder des Raps verweist.


Als warme Decke des Trosts kommt „Spiegellabyrinth“ daher.

Der Song ist eine Hommage an den Vater und zugleich ein Abgesang auf die Vater-Tochter-Beziehung. Ein Lied, das sich der Bitterkeit dieser existenziellen Erfahrung verweigert und stattdessen Zärtlichkeit in einem schmerzhaften Beziehungsabbruch findet.

Musikalisch wattet Marie Antoinette die Hörenden in einer Autotune-Wolke ein, die über einen verschleppten HipHop-Beat modernster Prägung zieht.


A propos modern: „Granat“ ist eine überlebensgroße Hymne über Female Empowerment mit grenzüberschreitenden Soli-Grüßen an alle Frauen, die sich in den verschiedensten Struggles gegen das Bollwerk des Patriarchats befinden: „Du bist Granat, die mega Braut“, tönt es im Refrain. Marie Antoinette schafft es dem etwas anachronistischen Slangbegriff „Braut“ nicht nur positives abzutrotzen, sondern stellt die Schönheit der Solidarität und Liebe unter Frauen aufs Podest. Eine sanfte Wucht von einem Song!


Ganz anders aber ist „Leuchtturm“ unterwegs. Musikalisch ist der Song über die Lieben des Lebens reduziert auf wenige Elemente wie z.B. Handclaps, Shaker und Synthiebass, was dem Song aber eine Tiefe gibt und Marie Antoinette die Möglichkeit gibt die eigene Stimme mal so richtig auszurollen. Die Leerstellen füllen sich auch mit Sprachbildern, die Maries Ideen in bunten Farben malen.


Das gezupfte Gitarrenstück „Phönix“ beschließt „Das süße Nichtstun“ wie die allerletzte Zugabe im zweiten Zugabenblock. Ein melancholischer Gruß in Richtung Nacht, eine Huldigung eins zu werden mit der Natur. Alles ist eins bei Marie Antoinette und genau diese Grenzüberwindung ist dann auch stilprägend für Soul von Marie Antoinette.


Und so ist „Das süße Nichtstun“ ein tolles Stück Musik.

Soul für die Seele, Pop für die Hüften und Texte, die an Stellen im Körper kommen, von denen man gar nicht wusste das sie für Musik erreichbar sind.


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