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  • Julian

Platten, die die Welt bedeuten: Gabriels - Angels&Queens Part I

Die Soul-Sensation Gabriels macht mit einem opulenten Halbalbum weiter, dessen zweiter Teil erst kommendes Jahr veröffentlicht wird. Geniestreich oder Marketingtrick? Laut Sänger Jacob Lusk weder noch, konnte er es doch anscheinend nicht erwarten damit rauszugehen. "Angels&Queens Part I" ist auf jeden Fall schon mal atemberaubend gut.


Zu schön für diese Welt


Der ehemalige Chorleiter und Ausnahmevokalist Jacob Lusk hat eine Stimme, die im Pop einmal im Jahrzehnt vorkommt. So ein Timbre hat man selten gehört, die letzte annähernd so fragil-starke Intimität erzeugende Röhre, die mir einfällt, ist die von Benjamin Clementine. Und auch die Kompositionen auf Angels&Queens Part I geben alles her, was sich die Erwartung so ausgemalt hat. Statt alle Karten auf die größtmögliche Anpassung an den Mainstream zu setzen, entwickeln die Gabriels einfach ihren Gospel-bluesigen RnB/Soul auf allerhöchstem Niveau weiter. Auch wenn Gabriels hüfttief in teils Jahrhunderte alten Musiktraditionen waten, ist nichts an ihrem Sound altbacken oder staubig. Alles klingt so frisch und modern, dass sich riesige Phantasieräume auftun. Die extrem gute Produktion, die vom Kendrick Lamar-gestähltem Sounwave kommt, tut ihr Übriges und katapultiert die Zeitlosigkeit der Gabriels-Songs ins Hier und Jetzt.


Bittersüße Wellness


Wunderschöne Melodien, eine mal zurückgenommene, dann wieder ausführliche Instrumentierung und dann immer wieder diese Stimme, die, so die naive, ewige Hoffnung, Seelenunbill heilen kann. Die Aufnahmen von Jacob Lusk´s Stimme sind auf Angels&Queens noch atemberaubender und intimer als auf den eh schon fantastischen ersten EPs. Sie wirken, und man muss das so deutlich schreiben, wie eine warme Decke oder eine zweistündige Meditation oder eine Nacht am Kamin. Schlichtweg herrlich und gleichzeitig beruhigend wie beschwingend. Und manchmal sogar mit einer Coolness ausgestattet, die dem Grundgefühl von Gabriels eigentlich komplett widerspricht, aber angesichts der schieren Qualität einfach aufgeht.


Versucht nicht mal diese Band zu (s)toppen!


Dass mittlerweile schon ein paar Leuten mehr gemerkt haben, welch außergewöhnliche Band Gabriels sind, hat sich offensichtlich auch auf die Stimmung ausgewirkt. Vor "Angels&Queens" waren Gabriels Kompositionen teils eher düster, auf Angels&Queens werden die Fenster aufgerissen und ein sanftes Licht durchflutet den Korridor, auf dem Gabriels schnurstracks Richtung Musikolymp wandeln. Mal mit einem Trippelschritt in Richtung Funk oder Pop, nur um dann wieder mit beiden Beinen im orchestral ausgelegten Soul mit Gospelanleihen zu wandeln. Nur bei The Blind schimmert nochmal kurz die Dunkelheit mit bedrohlichen Dronesounds zurück. Ganz nach dem Motto: "There is a crack in everything, that´s how the lights get in."


Quo Vadis, Goldkehlchen!?


Und so bleibt eigentlich nur eine Frage: Wann übernehmen die Gabriels den ersten James Bond-Soundtrack-Titelsong? Wann ist Jacob Lusk Ehrengast in der Super Bowl-Halbzeitshow? Oder: Entzieht er sich am Ende diesen Potentialen durch die herrlich komplexen Gabriels-Kompositionen? Und: War die Platte am Ende einfach zu gut, um sie an einem Stück zu veröffentlichen? Gut möglich, denn episch und auf dem Weg zur Platte des Jahres ist der erste Teil mit gerade mal sieben Songs schon jetzt.


Gabriels, "Angels&Queens", 30.September.2022, Atlas Artists, Gabriels LLC






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