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  • Julian

Platten, die die Welt bedeuten: Flavien Berger - Dans cent ans

Flavien Berger ist der Wes Anderson der französischen Pop: Surreal, melancholisch, bunt und wohltuend schräg. Auf "Dans cent ans" setzt er seinen besonderen Weg fort.


Auf einem Album voller besonderer Momente, bleibt einer ganz besonders hängen. "Berzingue" kippt mit seinem Lo Fi Beat und den trippigen Lautmalereien ins absurde, surreale und vor allem psychedelische. Das Video zu dem Song ist ein farbenfroher Trip durch Alltagsituationen, Straßenzüge und Kulturen, von Tentakeln durchzogen, die mal zu Computerkabeln morphen, dann in Krankenhäusern auftauchen, nur um sich im nächsten Moment zu Parytschlangen zu transformieren. Nur da wo sie hingehören, in den Ozeanen, tauchen sie nur ganz kurz auf.


Symbolisch stehen Oktopusse und ihre Tentakeln für Geschicklichkeit, Selbstlosigkeit, Intelligenz und Vielseitigkeit. Vor allem letzteres zieht sich auch durch das Wirken von Flavien Berger. Der Produzent, Komponist und Musiker aus Paris surft bisher gemeinsam mit Acts wie Voyou, Palatine oder Papooz im Windschatten größerer französischer Künstler, die sich der Lo Fi-elektronischen Extravaganza verschrieben haben. Die Smoothness bei Berger fußt in Chansons, der beiläufigen Coolness eines Sebastien Telliers und in der Grundmelancholie, die Großteile des französischen Pops innewohnt. Noch stärker wie auf früheren Platten verlässt sich Berger dabei auf das hervorragende eigene Grundgerüst und baut darum abgefahrene, in fast theatralische Übertreibungen gesteigerte Popperlen. Tracks wie 666666 stehen dafür exemplarisch. Bevor der Song kurzzeitig zum unterschwellig treibenden Electronicabanger wird, durchlebt der Song mehrere Experimentierphasen, nur um am Ende vollends in warm wabernden Klanglandschaften auszutröpfeln. Ein Song als Collage. Keine neue Idee, aber so hat man das Ganze selten umgesetzt gehört.


Dieser Eklektizismus, der aber dank stringenten Grundstimmungen nie ins Beliebige kippt, ist an vielen Stellen zu finden und bedient dabei eine Vielzahl von Gefühlen. Man kann dieses Album wohlgestimmt und aufgekratzt hören, introvertiert und melancholisch oder einfach mit einem großen Interesse an Songwriting-Details, Produktionskniffen und Spannungsbögen. Womit wir wieder am Anderson-schen Ausgangspunkt wären: Dans cent ans hat das Zeug gleichzeitig Everybody´s Darling und Avantgarde zu sein. Dringende Hörempfehlung!


Flavien Berger, Dans cent ans, 17.März.2023, Pan European Recording









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