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  • Julian

Ich glotz TV (und Filme, Youtube & Co.) #1

Ein herrliches neues Jahr euch allen! Ich habe das alte und das neue Jahr unter anderem bisher damit verbracht ein paar Filme nachzugucken, die bei mir im Grundrauschen des Jahres 2022 untergegangen sind. Ich habe mich in der ersten Ausgabe von "Ich glotz TV" mal auf die konzentriert, die insgesamt ganz gut rumgereicht wurden. Viel Spaß mit den Filmen und Rezensionen, für dich ich weitestgehend auf Spoiler verzichtet habe.


Make that make Sense


Der Film "Everything everywhere all at once" von Dan Kwan und Daniel Scheinert ist im Kern ein ziemlich seltsamer Science Fiction-Abenteuerfilm und kann angesichts seiner Verschrobenheit und Experimentierlust schon als Überraschungserfolg bezeichnet werden. Von unzähligen Filmkritikerinnen wurde der FIlm zu den besten des Jahres gewählt und landete zudem auf der Shortlist unzähliger Awards.


Im Mittelpunkt steht eine amerikanisch-chinesische Familie mit einem maroden Waschsalon, die Stress mit dem Finanzamt hat. Aus dieser Lappalie entwickelt sich ein irrwitziger Trip, der an die Genregrenzen und darüber hinaus geht. Hier ein bisschen Antiheldenepos, dort ein wenig irrwitziger Nahkampfexzess. Doch das Gerüst des Films bildet ein anrührendes Familiendrama, sozialrealistische Gesellschaftskritik und ein durchgeknalltes Kostümfeuerwerk.


Die nur scheinbar anarchisch wechselnden Zeit- und Dimensionsebenen machen den Film so komplex, dass es sich lohnt zwei-, dreimal reinzuschauen und selbst dann, ist es schwer alles zu durchsteigen.

Insgesamt ist "Everything Everywhere all at once" ein überschäumendes, Sinne-überflutendes, schnelles Meisterwerk. Aber eben auch anrührend und saukomisch. Ultimative Empfehlung!




Make me forget this


Triangle of sadness. Uff. Der Film von Ruben Östlund ist völlig irrwitzig, überdreht, absurd, extrem eklig, voller fantastischer Schauspielleistungen und trotzdem, wenn man der aufgeworfenen Ideologie folgt, nicht wirklich zu Ende gedacht. Der Analyse von Wolfgang M. Schmitt, unten eingebettet, kann ich einiges abgewinnen, wobei ich mich frage, ob Filmemacher wirklich Marx verstanden haben müssen, um einen Film über Menschen im Spätkapitalismus machen zu können. Ich tendiere zu nein, komme auch nicht umhin das unzweifelhaft Autounfall-eske an "Triangle of sadness" anzuerkennen. Man kann einfach nicht weggucken. Aber manchmal muss man doch, weil Dekadenz, Ekel, Selbstgefälligkeit und Opportunismus so himmelschreiend durchschlagen.


Der Plot, soviel sei zugestanden, ist schon mal ziemlich gut: Ein Haufen schwerreicher Würstchen findet sich für einen Luxustrip auf einer Yacht ein und wird vorne bis hinten bedient. Die Chefstewardess errichtet in einer Mischung aus Manie und Kontrollwahn ein strenges Regiment und versucht alle auf das gemeinsame Ziel, den Reichen in den Arsch zu kriechen, einzuschwören. Aber Stück für Stück geht alles schief, was auf einem Schiff so schief gehen kann. Einzig der Kapitän, ein dauerbetrunkener Marxist alter Schule nimmt weder sich, noch sonst irgendetwas oder jemanden ernst. In seiner Wurschtigkeit findet er in einem russischen Oligarchen seinen tiefenentspannten, aber auch moralisch extrem flexiblen Gegenpart. Die Begegnung der beiden und die Absurditäten, die sich aus dieser Begegnung entspinnen, sind wirklich grotesk, grandios und machen den Film sehenswert. Obwohl durch ein einschneidendes Ereignis, das ich hier nicht weiter spoilern will, die Machtverhältnisse clever auf den Kopf gestellt werden, kommt die Moral der Geschichte nicht so wirklich ausgegoren daher. Deswegen sei als Beipackzettel die Kritik von Wolfgang M. Schmitt empfohlen.




Make Believe


Der legendäre Fußballspieler und spätere Manager Rolf Rüssmann sagte mal in aussichtsloser Lage und angesichts einer drohenden Niederlage:" Wenn wir schon nicht gewinnen, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt." Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Drehbuchautoren von "Glass Onion- A Knives Out Mystery" an der Fußball Kartoffel orientierten, als sie den Plot für die flächendeckend beworbene Murder Mystery Story schrieben. Aber dem Gedanken folgen sie zumindest bis kurz vor Schluss. Rache ist eben immer noch Blutwurst und ist, besonders in Kriminalfilmen, ein beliebtes Motiv für Mord. Genauso wie Vertuschung.


Aufgebaut wie eines der populären Krimidinner rollt "Glass Onion" den ganz großen Teppich aus und geizt nicht an Staraufgebot, Setdesign und vermeintlich irren Twists. Auch die Parodie auf Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie der Weltstars funktioniert erstaunlich gut. Selbstironie ist längst warenförmig, also vermarktbar. Wahrscheinlich braucht ein dermaßen schillernd produzierter Film den doppelten Boden, um überhaupt als sehenswert angesehen zu werden. Und das ist "Glass Onion" auch angesichts spektakulärer Schauspielleistung von u.a. Daniel Craig, Edward Norton, Janelle Monae oder Kate Hudson durchaus. Aber zwiespältig bleibt die als Krimikomödie getarnte Gesellschaftssatire trotzdem. Irgendwie will die Story nicht aufgehen, irgendwas an den Figuren bleibt trotz geschickt arrangiertem "Make Believe" eindimensional. Aber vielleicht ist auch das Teil des zynischen Plans. Alles ist so, wie es scheint. Jedenfalls, wenn man dem Plot von "Glass Onion" folgen mag.




Make Capitalism History


Obwohl es an allen Ecken und Enden knirscht und das globale, kapitalistische Wertschöpfungssystem in einer existenziellen Krise steckt, wird in vielen Branchen an Profitmaximierung und Wachstum um jeden Preis fest gehalten. Und sogar im, von der Corona-Krise heftig gebeutelten, Konzertbusiness läuft es in den Spitzen prächtig. Der große Rest ist zwar immer nur knapp oberhalb der Grasnarbe, aber das Big Business sucht und findet Wege, z.B,. durch Dynamic Prizing, sagenhafte Gewinne einzufahren. Warum das so ist, dem geht diese Arte TRACKS Doku auf den Grund:





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