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  • Julian

Buchclub: Rezension Hendrik Bolz - Nullerjahre

"Nullerjahre", Hendrik Bolz, 336 Seiten, Kiepenheuer&Witsch, Februar 2022


Hendrik Bolz alias Testo vom Deutschrap-Duo Zugezogen Maskulin hat sein Debüt veröffentlicht.

Es ist eine Zeitreise in Bolz´Jugend, die er Anfang der Nullerjahre in Knieper West, einer Plattensiedlung in Stralsund verbracht hat. Zwischen Hartz IV und G7-Gipfel in einer Zeit eines wirtschaftlichen Strukturwandels, wobei Strukturkrise hier der bessere Begriff wäre. Im Subtext geht es auch um Vernachlässigung und Bedeutungsverlust, aber Bolz erzählt von einer von Rechten und Nazis dominierte Jugendkultur, tagtäglicher Gewalt und Drogenkonsum in einer teils düsteren Coming of Age-Geschichte.


Brutal eklig


Bolz Buch ist schonungslos, brutal, ehrlich, eklig, erschütternd, aber vor allem: notwendig. Dieses ostdeutsche Stück Zeitgeschichte ist bisher selten erzählt worden und so kommt Bolz(Jahrgang 1988) automatisch in die Rolle des Chronisten. Nicht nur des eigenen Lebens, sondern auch einer Zeit, die den meisten Menschen als das Gegenteil von den „blühenden Landschaften“ brachte: Gebrochene Elternbiografie, „No Future“ in der Ostplatte und die befreiende Wirkung eines neuen Sounds, dem sich Bolz und seine Freunde immer mehr verbunden fühlen. Anfang der Nullerjahre begann die Hegemonie des deutschen Gangstaraps, der aus den Brennpunkten der Republik Kulissen für neue Härte, Männlichkeitsposen und Nonkonformismus machten und auch in der ostdeutschen Provinz durchschlagenden Erfolg hatte.


Einer der vielen besonderen Drehs an dem Buch ist die Wandlung und Handlung, die sich in Bolz alias Testo's Musik manifestiert: Die Aggressivität seiner Jugend transformierte sich in den letzten Jahren bei Zugezogen Maskulin in explizit antifaschistische Obrigkeits- und Szenekritik.




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